Inhalt ansprigen

Programmforschung an der vhs Köln

100 Jahre Volkshochschule Köln durch Programmforschung entdecken

Von Dr. Annabel Jenner

Seit beinahe 100 Jahren gilt die Volkshochschule als zentrale Institution der öffentlich verantworteten Erwachsenenbildung in Deutschland. Ein Rückblick in die Gründungsphase der Volkshochschulen während der Zeit der Weimarer Republik zeigt, dass insbesondere das Jahr 1919 durch eine Vielzahl von Neugründungen gekennzeichnet war (vgl. Olbrich 2001, S. 151). In der Folge steht die Institution Volkshochschule mit dem nahenden Jahr 2019 nun vor dem Jubiläum ihres 100-jährigen Bestehens. Unweigerlich ist damit die Frage verbunden, wie sich ein für die Geschichte der Erwachsenenbildung so zentrales Jubiläum gebührend begehen lässt.

100 Jahre Volkshochschule – Gestaltungsfragen für die Praxis

Diese Frage bewegt auch die 1919 gegründete Volkshochschule Köln und bildet den Ausgangspunkt für gemeinsame Überlegungen und die Intensivierung der bisherigen Zusammenarbeit mit dem Arbeitsbereich Erwachsenenbildung/Weiterbildung der Universität zu Köln. So entstand die Idee, anlässlich des Jubiläums die Geschichte der Volkshochschule Köln zu erforschen - im Rahmen eines Seminars für Studierende des Masterstudienfachs Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Zwanzig Studierende untersuchten im Wintersemester 2017/18 anhand von Arbeitsplänen bzw. Programmheften von 1919 bis heute thematische Entwicklungen im Angebot der Volkshochschule Köln und gingen ihrer Geschichte somit auf die Spur. Dieses Unterfangen wird im Folgenden als eine Möglichkeit zur Vorbereitung der Jubiläumsfeierlichkeiten vorgestellt.

100 Jahre Volkshochschule – ein Thema universitärer Lehre

Das Masterfach Erwachsenenbildung/Weiterbildung an der Universität zu Köln sieht zu Beginn des Studiums ein obligatorisches Seminar zur Geschichte der Erwachsenenbildung vor. Während hier üblicherweise theoretische Zugänge zur Ideen- und Sozialgeschichte der Erwachsenenbildung im Mittelpunkt stehen, bot das bevorstehende Jubiläum der Volkshochschule Köln einen willkommenen Anlass, von diesem regulären Format abzurücken: Zum einen wird durch die Auseinandersetzung mit 100 Jahren Volkshochschule Köln die jüngere Geschichte der Erwachsenenbildung für die Studierenden in ihrem Bezug zur Gegenwart greifbar. Zum anderen eröffnet sich den Teilnehmenden die Gelegenheit, die Volkshochschule ihrer – teilweise neu bezogenen – Studienstadt Köln zu erkunden und so erste Schritte in die Praxis zu unternehmen. Wie jedoch lässt sich ein Jahrhundert Volkshochschulgeschichte nicht nur als bloßes Thema eines Seminars aufgreifen, sondern in der Retrospektive erkenntnisgenerierend erforschen?

Volkshochschulgeschichte entdecken durch Programmforschung

Die Programmanalyse gilt als etablierte Methode der Erwachsenenbildungsforschung, u. a. um in der Retrospektive thematische Entwicklungen in den Programmen einer Einrichtung aufspüren zu können (vgl. Nolda 2009). Dies erforderte in einem ersten Schritt die Bestandsaufnahme vorhandener Programme seit dem Gründungsjahr sowie eine Auswahl der in die Untersuchung einzubeziehenden Programme. Bei der Auswahl waren folgende Kriterien leitend:

  • die Zugänglichkeit der Quellen,
  • die forschungsmethodische Stringenz und
  • die im Rahmen der Lehrveranstaltung zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Die einbezogenen Programme wurden digitalisiert und sodann bearbeitet, indem die Studierenden Kategorien bildeten, anhand derer sich ihr Thema näher bestimmen und konkret an den Programmheften herausarbeiten ließ.

Themenentwicklungen werden in ihrem Entstehungsverlauf sichtbar

Mit der beschriebenen Methode schauten sich die Studierenden jeweils zu zweit die Entwicklung eines Themas im Zeitverlauf an. Dazu zählten programm-

übergreifende migrationsbezogene Angebote, das Format „Bildungsreise“ ebenso wie didaktische Formate insgesamt, die geschlechtsspezifische Ansprache und die Strukturierung der Programmbereiche. Aber auch einzelne Programmsegmente standen im Fokus.

Analysiert wurden in ihrem geschichtlichen Verlauf

  • das Sprachenportfolio,
  • Deutschkurse einschließlich DaF und DaZ,
  • Schulungen für das pädagogische Personal,
  • Kurse im Programmbereich Politik sowie
  • Angebote zum Nähen und textilem Gestalten.

Die Dokumentationen erarbeiteten die Studierenden eigenständig, das Seminar begleitete und beriet die jeweiligen Einzelarbeiten. Die Ergebnisse wurden als Poster grafisch aufbereitet und im Rahmen einer Abschlussveranstaltung an der Volkshochschule Köln Ende Januar 2018 präsentiert. Angestrebt wurde hierbei der gemeinsame Dialog zwischen Mitarbeitenden und Leitung der VHS, den Studierenden sowie weiteren Fachkolleginnen und -kollegen aus Wissenschaft und Praxis. Darüber hinaus sollen die Poster für eine Ausstellung im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten im Folgejahr weiterverwendet werden.

Durch die beschriebene Vorgehensweise sind verschiedene Potentiale deutlich geworden – sowohl für die Gestaltung universitärer Lehre als auch für die Jubiläumsvorbereitungen der Volkshochschule Köln. Einend für beide Seiten ist darüber hinaus vor allem ein zentraler Aspekt: Durch das gewählte Vorgehen schließt die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Volkshochschule an aktuelle Herausforderungen und Aufgaben öffentlich verantworteter Erwachsenenbildung an. Geschichte wird durch die Analyse von bis in die Gegenwart hineinreichenden Entwicklungen für die Studierenden in ihrer Prägung und

Relevanz für aktuelle Aufgaben greifbar. Und auch für die VHS knüpft die historische Selbstvergewisserung in dieser Perspektive an die im Alltag gegenwärtig bewegenden Fragen und Herausforderungen an. |

Literatur:

Nolda, S. (2009): Programmanalyse – Methoden und Forschungen. In: Tippelt, R./Hippel, A. v. (Hg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung. 3. überarb. u. erw. Aufl., Wiesbaden. S. 293-307.

Olbrich, J. (2001): Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. Opladen.

Historisches Programmheft von 1949

ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Erwachsenenbildung/Weiterbildung der Universität zu Köln und leitet das vorgestellte Seminar.

Dr. Annabel Jenner

Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass diese Seite Cookies verwendet.

Hier erfahren Sie mehr